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Pilotidee: Die Feuerwehr der Zukunft

- generationenübergreifendes Projekt und Inklusion -

1. Problembeschreibung

Die Freiwillige Feuerwehr hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Unabhängig vom vielbeschworenen demografischen Wandel führen auch die äußeren Rahmenbedingungen mit einem ausdifferenzierten Regelwerk und immer detaillierteren Vorgaben durch die Rechtsprechung dazu, dass der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr als reine Freizeitbeschäftigung verstanden bzw. der Aspekt des „Helfens“ nicht mehr im Vordergrund steht. Mit Regelungen sind auch Haftungsfragen verbunden, mit Haftungsfragen geht auch das Erfordernis einher, sich detailliert mit Vorgaben zu beschäftigen und durch Fortbildungen auf dem Laufenden zu bleiben: Eine Mannschafts- und Führungsaufgabe gleichermaßen.

a)     Altersgrenze

Bei den Freiwilligen Feuerwehren gibt es eine kalendarische Altersgrenze (60 Jahre mit der Option auf weitere 3 Jahre), mit der die aktive Einsatztätigkeit endet und ein Wechsel in die Ehrenabteilung erfolgt. Diese Altersgrenze hängt sehr eng mit den Tätigkeiten zusammen, die mit dem Einsatzgeschäft entstehen. Die Verlängerungsoption wird in der Praxis nur selten wahrgenommen.

Die kalendarische Altersgrenze regelt bislang Aktivität und Passivität. Mit dem Erreichen der Grenze endet die aktive Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr. Dadurch geht aber ein großes Potenzial von Fähigkeiten verloren.

b)     Übergang von Jugendfeuerwehr zur Freiwilligen Feuerwehr

Mitglieder der Jugendfeuerwehr erleben den Übertritt zur Freiwilligen Feuerwehr oft als schwierig, wenn sie nicht gleichzeitig von den Mitgliedern der aufnehmenden Freiwilligen Feuerwehr aktiv begleitet werden. Während sie in der Jugendfeuerwehr ihren festen Platz hatten, dort zu den älteren und erfahrenen gehörten, werden sie in einigen Feuerwehren als Anfänger behandelt, „denen man zeigen muss, wie Schläuche gerollt werden“. Der Übertritt in die Freiwillige Feuerwehr ist für sie dann schwierig, wenn sie nicht auf erfahrene Kollegen stoßen, die ihnen das neue System erklären und helfen, in der Freiwilligen Feuerwehr ihren Platz zu finden.

c)     Menschen mit Beeinträchtigungen

Menschen mit Beeinträchtigungen sind in der Freiwilligen Feuerwehr immer noch selten anzutreffen. Dabei stellt sich die Frage, ob das Bild vom jungen, männlichen und gesunden Mittzwanziger noch zeitgemäß ist und ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt.

d)     Quereinsteiger

Der Anteil von Quereinsteigern in die Freiwillige Feuerwehr ist unterproportional. Ein Grund liegt möglicherweise an der Lebensentwicklung derjenigen Personen, die in die Freiwillige Feuerwehr eintreten. Als es noch die Wehrpflicht gab, war dies für 18jährige Personen oft eine Alternative zum Wehrdienst. Typisch ist heute der Weg über die Jugend- zukünftig wohl auch über die Kinderfeuerwehr oder als junger Erwachsener.

Ein späterer Eintritt, etwa wie in einen Fußball- oder Schützenverein, um in eine Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden oder neue Freunde zu gewinnen, ist eher selten zu finden.

e)     Vereinbarkeit von Familie und Feuerwehr

Die Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr erfordert von ihren Mitgliedern ein hohes Maß an Flexibilität. Im Einsatzfall sind sog. Schutzziele einzuhalten, die definieren, innerhalb welcher Zeit wie viel Einsatzpotenzial am Einsatzort sein muss. Dies bedeutet für das einzelne Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr eine Konkurrenzsituation zwischen der Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr und seinem eigentlichen Hauptberuf, aber auch zur Familie und Freizeit. Diese Spannungsfelder können schlussendlich dazu führen, dass die Personen den Dienst in der Feuerwehr teilweise oder ganz aufgeben.

f)      Überforderung der Wehrleitung durch Aufgabenfülle

Manche Führungskräfte fühlen sich bei Fragen der Einsatztaktik gut ausgebildet, benötigen aber überproportional viel Zeit für die Verwaltungsaufgaben bis hin zu Abstimmungen mit der Kommune und der Wahrnehmung von Öffentlichkeitsterminen.

Auch Konfliktsituationen in der Mannschaft werden von manchen Führungskräften nicht mangels Unwilligkeit sondern wegen Unwissenheit, wie mit konfligierenden Situationen umzugehen ist, unbearbeitet gelassen. Durch so ein Verhalten kann der Eindruck der Unfähigkeit der Führung bei gleichzeitiger guter Entscheidungsfähigkeit im einsatztaktischen Geschehen einhergehen. 

2. Problemlösung

a)     Flexible Altersgrenze

Im Pilotprojekt soll auf feste Altersgrenzen zu verzichtet werden.  Wer über das 60. Lebensjahr hinaus aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten möchte, soll dies nach einer vorherigen Überprüfung entsprechend seiner psychischen und physischen Leistungsfähigkeit tun.

b)     Grundausbildung in Freiwilliger Feuerwehr ab 16

Jedem Mitglied der Jugendfeuerwehr soll es optional ermöglicht werden, mit 16 Jahren in die Freiwillige Feuerwehr zu wechseln und dort die Truppmannausbildung zu absolvieren. Gleiches gilt für diejenigen 16jährigen, die ohne vorher Mitglied einer Jugendfeuerwehr gewesen zu sein, direkt in die Freiwillige Feuerwehr wechseln wollen. Flankierend sollen nicht nur den Jugendlichen, sondern auch jedem neuen Feuerwehrmitglied Mentoren als feste Ansprechpartner zur Seite gestellt werden.

c)     Quereinsteiger

Insbesondere Quereinsteigern soll durch gut ausgebildete Mentoren der Einstieg in die Freiwillige Feuerwehr ermöglicht werden.

d)     Leistungsgerechter Einsatz

Im Rahmen des Projektes soll ein leistungsgerechter Einsatz der Mitglieder der Feuerwehren getestet werden. Dazu sollen vier Gruppen gebildet, die sich voneinander durch körperliche und psychische Anforderungen, die ihre Mitglieder erfüllen müssen, unterscheiden.

e)     Sicherstellung von Kinderbetreuung

Bei den Pilotfeuerwehren soll sichergestellt werden, dass eine Vereinbarkeit von Familie und ehrenamtlicher Tätigkeit in der Feuerwehr ermöglicht wird. Hierbei muss im jeweiligen Einzelfall überprüft werden, ob dies durch gleichzeitige Alarmierung von Betreuerinnen bei Alarmierung der Mannschaft im Einsatzfall erfolgt oder ob beispielsweise ein nach heutigem Verständnis Mitglied der Ehrenabteilung die Betreuung übernimmt. Wichtig ist eine Sensibilisierung der Wehrleitung für diese Problematik.

f)      Geteilte Wehrleitung

Die Pilotfeuerwehren sollen auf unterschiedlichen Ebenen (Wehrführung, Zugführer und Gruppenführer) - je nach Wunsch der jeweiligen Wehr - zur Unterstützung einen Verwaltungsexperten, den sog. Verwalter entlastend einsetzen. Dieser soll die Aufgaben vom Wehrleiter übernehmen, die außerhalb des Einsatzes anfallen und die er als besonders belastend empfindet. Das Spektrum möglicher Aufgaben ist breit.

Dabei ist wichtig, dass mit der Übertragung der Aufgabe auf den Verwalter auch die Verantwortung auf ihn übergeht. Er selbst kann bestimmen, wie die Aufgabe durchgeführt wird und ob er sich bei der Wahrnehmung Unterstützung aus der Mannschaft holt. Da der Wehrleiter die Gesamtverantwortung nach außen trägt, ist ein enger Informationsaustausch zwischen Wehrleiter und Verwalter erforderlich. In Streitfällen muss das Gespräch mit dem Hauptverwaltungsbeamten geführt werden, wenn nicht wie im Pilotverfahren möglich und sinnvoll, die Hilfe der Pilotentwickler in Anspruch genommen wird.

Darüber hinaus soll  die Dienstzeit des Wehrleiters / Verwalters auf maximal drei Amtsperioden à 5 Jahre begrenzt werden.

g)     Einführung des Mannschaftssprechers

In den Pilotfeuerwehren soll ein Mannschaftssprechers eingeführt werden, der zwischen der Mannschaft und dem Wehrleiter - aber auch dem Verwalter - vermitteln soll. Der Mannschaftssprecher soll durch die Mannschaft gewählt werden.

h)     Soft Skills

Der Verwalter, der in den Pilotfeuerwehren eingesetzt wird, soll eine spezielle modular aufgebaute Ausbildung erhalten, in der auch besonderer Wert auf die Vermittlung der sogenannten "soft skills" wie Konfliktmanagement und Menschenführung gelegt wird. Die Module sind auch offen für Wehrleiter.

i)      Mentorenprogramme

Als weitere Idee sollen - wie oben angedeutet - allen Neueinsteigern in die Freiwillige Feuerwehr, egal, ob sie von der Jugendfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr übertreten, direkt in die Freiwillige Feuerwehr mit 18 oder im Pilotprojekt bereits mit 16 Jahren einsteigen oder später in die Freiwillige Feuerwehr eintreten, Mentoren zur Verfügung gestellt werden.

3. Zusammenfassung: Die Freiwillige Feuerwehr als Lebensphasenmodell

Mit der Pilotidee soll eine Freiwillige Feuerwehr als Lebensphasenmodell ermöglicht werden. Sie steht offen dem jungen Menschen, der sich mit 16 entscheidet, nach der Jugendfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten oder der direkt in die Freiwillige Feuerwehr einsteigt, dem 40jährigen Quereinsteiger genauso wie dem 65 „fitten“ Feuerwehrangehörigen. Die Freiwillige Feuerwehr muss in ihren Einsätzen flexibel sein: Diese Flexibilität soll auch auf die Organisation der Freiwilligen Feuerwehr übertragen werden, damit sie zukunftsfähig, attraktiv für neue Mitglieder sein und neue Zielgruppen begeistern kann.

Kontakt AG Leitung:

Christina Koß

Christina Koß

(MIK NRW)

Telefon:

0211 871-2425

 

Christina.Koss@mik.nrw.de

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