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Junge Feuerwehr

1. Problembeschreibung

Im Workshop „Junge Feuerwehr“ am 22.02.2014 in Witten wurden in drei verschiedenen Foren - „Die Feuerwehr der Zukunft - zwischen Hierarchie und Mitsprache“, „Alltagsstress und Feuerwehr - Schule, Ausbildung, Familie, Freunde, Freizeit… und trotzdem Zeit für die Feuerwehr“ und „We want you! Wollen wir wirklich jeden?“ -  die Probleme der Mitglieder der Jugendfeuerwehren und Jungen Feuerwehrangehörigen thematisiert und erste Lösungsansätze herausgearbeitet. Die Resonanz auf diesen Workshop mit 250 Teilnehmern war ebenso groß wie die Diskussionsbereitschaft, die die Pilotentwickler dazu veranlasst, als Pilotprojekt die Wiederholung des Workshops „Junge Feuerwehr“ im Herbst 2014 zu beantragen.

Die Auswertung des Workshops zeigte, dass sich die Ist-Situation den einzelnen Feuerwehren genauso unterschiedlich darstellt wie auch die Bewertung der Teilnehmer, ob die Ist-Situation als veränderungswürdig oder positiv empfunden wird. Deshalb können hier nur einige Problembereiche angerissen werden, für die sich viele Übereinstimmungen zeigten:

Die Wehrleitung wird  oft als unnahbar empfunden. Damit einher geht die Einschätzung, dass das bisherige Feuerwehrsystem sehr hierarchisch ist, teilweise wird von „Demokratur“ gesprochen. Gleichzeitig haben aber auch die Jugendlichen und Jungen Erwachsenen ein gutes Gespür für die Arbeitsüberlastung des Wehrleiters.

Auch für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht ein Konflikt zwischen schulischen bzw. beruflichen Anforderungen, dem Wunsch nach feuerwehrfreier Freizeit einerseits, aber auch dem starken Interesse, die Aufgaben der Feuerwehr wahrzunehmen. Aus Sicht der jungen Feuerwehrangehörigen es erschweren die familiären Verhältnisse in der Feuerwehr, Kritik zu äußern.

In Witten wurde zudem die zum Teil fehlende Zusammenarbeit Jugendfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr thematisiert. Nach Auffassung der Jungen Feuerwehrangehörigen müssen diese näher zusammengeführt werden, da an der Schnittstelle viele Austritte stattfinden – die Älteren sind in der Jugendfeuerwehr nach einer Zeit unterfordert und langweilen sich.

Spezielle Punkte „Ist-Situation Jugendfeuerwehr“

  • Auffangstelle für gescheiterte Jugendliche
  • Unklarheit darüber, wer gebraucht und aufgenommen wird
  • Keine klaren Aufnahmekriterien vorhanden
  • Sehr unterschiedliches Verständnis von Jugendarbeit in den unterschiedlichen Wehren (das Spannungsverhältnis tut sich besonders zwischen Stadt und Land auf; in den Städten wird die Arbeit der Jugendfeuerwehr eher als Jugendarbeit und Betreuung verstanden, auf dem Land richtet man die Arbeit eher aus auf die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehrleute)
  • Schlechte Öffentlichkeitsarbeit
  • Konkurrenz zwischen den Wehren der unterschiedlichen Stadtteile wird als unangenehm wahrgenommen

Spezielle Punkte „Freiwillige Feuerwehr“

  • Vorurteilsgeprägt
  • Dienstältere schränken die zukunftsgewandten Vorschläge (Aufnahme von Frauen und Migranten etc.) Jugendlichen ein
  • Voraussetzungen für sicheren Dienst müssen von Mitgliedern erfüllt werden

2. Pilotideen

a) jährliche Durchführung von Workshops

In Witten wurde der Wunsch nach einer Wiederholung des Workshops „Junge Feuerwehr“ geäußert. Hierzu gibt es einen gemeinsamen Pilotantrag der Pilotentwickler „Jugendfeuerwehrwarte“ und „Junge Feuerwehr“:

Der erste Workshop soll am 25.10.2014 nach Möglichkeit in der Universität Witten/Herdecke stattfinden. Die Themen werden von den Jugendfeuerwehrwarten und den Mitgliedern der Jugendfeuerwehren und Jungen Feuerwehrangehörigen (Pilotentwickler „Jugendfeuerwehrwarte“ und „Junge Feuerwehr“) gemeinsam entwickelt. Die Moderation soll wie in Witten wieder eine Doppelmoderation aus einem Praxismoderator und einem Moderator mit einem theoretischen Hintergrund sein.

Zukünftig sollen jährliche Workshops stattfinden, die im Wesentlichen von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst organisiert werden.

b) Pilotidee: Durchführung einer übergreifenden Übung für Jugendfeuerwehren

Angelehnt an die die multinationale Jugendbewegung USAR basic training for youngsters“ der THW-Jugend soll zunächst für die an den Piloten Jugendfeuerwehrwarte und Junge Feuerwehr teilnehmenden Jugendfeuerwehren eine überörtliche Übung durchgeführt werden, die in einem 2. Schritt für alle Jugendfeuerwehren geöffnet wird.

c) Mentorenprogramm

Als weitere Idee sollen allen Neueinsteigern in die Freiwillige Feuerwehr, egal, ob sie von der Jugendfeuerwehr in die Freiwillige Feuerwehr übertreten, direkt in die Freiwillige Feuerwehr mit 18 oder im Pilotprojekt bereits mit 16 Jahren einsteigen oder später in die Freiwillige Feuerwehr eintreten, Mentoren zur Verfügung gestellt werden.

Ziele

Ziel des Mentoring-Projektes ist es, neuen Mitgliedern der Feuerwehr erfahrene Feuerwehrangehörige zur Seite zu stellen, die ihnen den Einstieg die Feuerwehr erleichtern, indem sie ihre eigenen Erfahrungen weitergeben.

Das Projekt soll positive Startbedingungen schaffen, dazu beitragen, dass die neuen Mitglieder sich schneller in die Gemeinschaft einfinden sowie Vielfalt und Integration fördern. Daher richtet sich das Projekt auch an Interessierte mit Migrationshintergrund, , mit Kind(ern), mit chronischer Erkrankung oder Behinderung.

Mentorenausbildung

Die Mentoren-Ausbildung bereitet die Mentoren und Mentorinnen auf ihre Rolle vor und vermittelt wertvolle Sozialkompetenzen, die auch über die Mentoring-Beziehung hinaus für das weitere berufliche und private Leben nützlich sind.

Die Mentoren-Ausbildung findet im Rahmen von einem Workshop statt und richtet sich zunächst an die Feuerwehren, die an dem Pilotprojekt „generationübergreifendes Projekt und Inklusion“  teilnehmen. Zum Mentor ausbilden können sich im ersten Schritt nicht nur diejenigen, die konkret einen Mentee haben, sondern auch diejenigen Feuerwehrangehörigen, die sich vorstellen können, zukünftig bei Anfrage eine solche Tätigkeit zu übernehmen. 

Workshopinhalte:

  • Basiswissen über das Konzept des Mentorings
  • Typische Mentoring-Themen und Situationen
  • Grundlagen der Kommunikation
  • event. lösungsorientierte Beratung
  • Basiswissen über die Feuerwehr und die Standortwehr, das an die Mentees weitergegeben werden müsste